Bevor du zur Hauptuntersuchung fährst, lohnt sich ein Blick aufs Reifenprofil: Fällt die Tiefe unter 1,6 Millimeter, gilt das bei der HU 2026 automatisch als erheblicher Mangel – unabhängig davon, wie neu der Rest des Fahrzeugs ist.
- Die gesetzliche Mindesttiefe fürs Reifenprofil liegt bei 1,6 mm und wird bei jeder Hauptuntersuchung (umgangssprachlich TÜV) 2026 automatisch geprüft.
- Der ADAC empfiehlt den Wechsel schon bei 3 mm (Sommerreifen) bzw. 4 mm (Winterreifen), deutlich vor der gesetzlichen Grenze.
- Ungleichmäßiger Verschleiß zwischen Vorder- und Hinterachse ist der Fehler, der Fahrer bei der HU am häufigsten überrascht.
- Reifenalter zählt mit: Nach 6 Jahren rät der ADAC zur genauen Kontrolle, egal wie viel Profil noch da ist.
Warum das wichtig ist
Jeder Prüfer misst bei der Hauptuntersuchung das Profil an mehreren Stellen jedes Reifens – das ist Pflichtprogramm, kein Kann. Die gesetzliche Mindesttiefe von 1,6 Millimetern steht in § 36 StVZO und gilt bundesweit, egal wie alt Fahrzeug oder Reifen sind. Unterschreitet auch nur eine der drei Hauptprofilrillen diesen Wert über mehr als ein Viertel des Reifenumfangs, wird das als erheblicher Mangel eingestuft – die Plakette gibt es dann nicht.
Reifen zählen laut Auswertungen zu den häufigen Mängeln bei der Hauptuntersuchung, gerade weil viele Fahrer die Grenze erst am Prüftag erfahren. Wird das Gewebe (der Cord) sichtbar, stuft der Prüfer den Mangel sogar als gefährlich ein – dann erlischt die Betriebserlaubnis faktisch sofort und Weiterfahren ist tabu.
Umgangssprachlich sagen viele "ich muss zum TÜV", gemeint ist damit die Hauptuntersuchung (HU), die in Deutschland von mehreren amtlich anerkannten Organisationen durchgeführt wird – darunter auch KÜS-Partner wie HolDeinePlakette. Am gesetzlichen Grenzwert von 1,6 mm ändert die Bezeichnung nichts: Der gilt 2026 unabhängig davon, wo du deine Hauptuntersuchung machst.
Was du brauchst
- Profiltiefenmesser (Tiefenlehre), Kostenpunkt meist im niedrigen einstelligen Euro-Bereich
- Taschenlampe oder Handy-Licht für dunkle Radkästen
- Reifendruckprüfer
- Kreide oder Marker zum Kennzeichnen der Messpunkte
- 10 bis 15 Minuten Zeit für alle vier Reifen
- Handy für Fotos, falls du ein Ergebnis dokumentieren willst
Die Schritte
Schritt 1: Reifendruck kontrollieren, bevor du misst
Falscher Luftdruck verzerrt das Verschleißbild und macht Messwerte unzuverlässig. Prüfe den Druck laut Herstellerangabe (Tankdeckel oder Türrahmen) bei kalten Reifen. Häufiger Fehler: Direkt nach längerer Fahrt messen – die Reifen sind dann warm und der Druck künstlich erhöht.
Schritt 2: Miss an mindestens drei Punkten pro Reifen
Ein einzelner Messpunkt sagt wenig über den echten Zustand aus. Miss außen, mittig und innen an jeder Lauffläche, dazu einmal versetzt am gegenüberliegenden Radumfang. So erkennst du auch einseitigen Verschleiß, der auf Fluchtungsfehler hindeutet. Häufiger Fehler: Nur einmal in der Mitte messen und den Rest des Reifens ignorieren.
Schritt 3: Tiefe in den Hauptprofilrillen messen
Die Tiefenlehre gehört in die drei durchgehenden Hauptrillen, nicht in kleine Zusatzrillen am Rand. Diese Rillen sind genau das, was auch bei den Prüfkriterien der Hauptuntersuchung kontrolliert wird. Drück die Lehre senkrecht in die Rille, bis der Fuß aufliegt, und lies den Wert ab. Häufiger Fehler: Die Lehre schräg ansetzen – das verfälscht das Ergebnis um bis zu 1 mm.
Schritt 4: Verschleißindikatoren (TWI) checken
Jeder moderne Reifen hat kleine Erhebungen in den Hauptrillen, die bei exakt 1,6 mm bündig mit der Lauffläche sind – die Tread Wear Indicators. Ein kleines Dreieck-Symbol am Reifenrand zeigt dir, wo du nachschauen musst. Ist das Profil auf Höhe des Indikators, bist du am gesetzlichen Limit angekommen. Häufiger Fehler: Den Indikator übersehen, weil er unauffällig in der Rille sitzt.
Schritt 5: Baujahr über die DOT-Nummer prüfen
Die letzten vier Ziffern der DOT-Kennung an der Seitenwand zeigen Kalenderwoche und Jahr der Produktion, etwa 2621 für Woche 26 im Jahr 2021. Gummi versprödet unabhängig vom Profil, deshalb empfiehlt der ADAC ab 6 Jahren eine genaue Kontrolle. Häufiger Fehler: Nur aufs Profil schauen und ein 8 Jahre altes, aber noch tiefes Profil für unbedenklich halten.
Schritt 6: Achsen vergleichen – ungleichen Verschleiß erkennen
Stell die Werte von Vorder- und Hinterachse gegenüber. Ein Unterschied von mehr als 2 mm zwischen den Achsen deutet auf Fahrwerksprobleme, falschen Luftdruck oder unregelmäßigen Radwechsel hin. Häufiger Fehler: Nur die Vorderachse prüfen, weil sie stärker abgefahren wirkt, und die Hinterachse komplett übergehen.
Schritt 7: Ergebnis dokumentieren und Entscheidung treffen
Halte Werte und Fotos fest, bevor du zur Hauptuntersuchung fährst. Liegst du unter 3 mm (Sommer) oder 4 mm (Winter), plane den Wechsel vor dem Termin ein statt danach – ein durchgefallener Termin kostet dich Zeit und einen zweiten Weg. Häufiger Fehler: Erst am Prüftag reagieren, wenn der Prüfer den Mangel bereits im Protokoll notiert hat.
Fehlerbehebung: Häufige Probleme
- Profiltiefe liegt genau bei 1,6 mm: Das ist ein Grenzfall ohne Sicherheitsreserve. Wechsel den Reifen vor dem Termin, statt auf den Prüfer zu hoffen.
- Ungleicher Verschleiß zwischen Vorder- und Hinterachse: Lass die Achsvermessung prüfen, bevor du neue Reifen kaufst – sonst nutzt sich der neue Reifen genauso schnell ab.
- Reifen sieht gut aus, ist aber über 6 Jahre alt: Optische Prüfung reicht nicht. Kontrolliere die Seitenwand auf Risse, besonders bei selten gefahrenen Fahrzeugen.
- HU wegen Reifenprofil nicht bestanden: Nach dem Wechsel brauchst du in der Regel keine volle Nachuntersuchung, aber informier dich vorab über den Ablauf einer Nachprüfung, damit du weißt, welche Frist dir bleibt.
- Unterschiedliche Reifentypen auf einer Achse: Das kann bei der HU zusätzlich beanstandet werden, unabhängig von der Profiltiefe. Achte auf gleiche Bauart pro Achse.
Werkzeuge und Ressourcen
- Profiltiefenmesser aus dem Zubehörhandel, alternativ digitale Messuhr für genauere Werte
- Reifendruckprüfer, idealerweise mit Nachfüllfunktion für Kompressoren
- Herstellerangaben zum Solldruck (Tankdeckel, Türrahmen, Handbuch)
- ADAC-Bremstests zur Einordnung, warum 1,6 mm in der Praxis knapp ist
Termin zur Hauptuntersuchung sichern
Reifen geprüft? Buch deine HU/AU online und lass dein Fahrzeug abholen.
Was du als nächstes tun solltest
Wenn du weißt, wie tief dein Profil ist, lohnt sich der Blick auf den nächsten Fälligkeitstermin. Nicht jedes Fahrzeug muss im gleichen Rhythmus zur Prüfung – wie oft du je nach Fahrzeugalter dran bist, erklärt der Guide zu den HU-Intervallen nach Fahrzeugalter. So planst du Reifenwechsel und Prüftermin in einem Rutsch statt zweimal ins Detail zu gehen.
FAQ
Wie tief muss das Reifenprofil bei der Hauptuntersuchung mindestens sein?
Die gesetzliche Mindesttiefe liegt 2026 bei 1,6 mm, festgelegt in § 36 StVZO. Unterschreitet ein Reifen diesen Wert in einer der drei Hauptrillen, gilt das bei der HU als erheblicher Mangel.
Ist ein Reifen mit 1,6 mm Profiltiefe noch sicher?
Rechtlich ja, sicherheitstechnisch ist das ein Grenzwert ohne Reserve. ADAC-Bremstests zeigen bei Nässe deutlich längere Bremswege gegenüber neuen Reifen mit 8 mm Profil.
Wie messe ich die Profiltiefe selbst?
Eine Profiltiefenlehre in die Hauptrille stecken und den Wert an mindestens drei Stellen pro Reifen ablesen. Alternativ zeigt der eingebaute Verschleißindikator (TWI), ob du bei 1,6 mm angekommen bist.
Was passiert, wenn die HU wegen der Reifen nicht besteht?
Der Prüfer trägt einen erheblichen Mangel ins Protokoll ein und die Plakette entfällt. Nach dem Reifenwechsel folgt meist eine Nachprüfung innerhalb der gesetzten Frist.
Woran erkenne ich das Baujahr eines Reifens?
Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer an der Seitenwand geben Kalenderwoche und Jahr an, etwa 2621 für Woche 26 im Jahr 2021. Ab 6 Jahren empfiehlt der ADAC eine genaue Kontrolle unabhängig vom Profil.
Gilt die Mindesttiefe für Sommer- und Winterreifen gleich?
Ja, gesetzlich liegt die Grenze bei beiden bei 1,6 mm. Der ADAC empfiehlt aber unterschiedliche Wechselpunkte: 3 mm bei Sommer-, 4 mm bei Winterreifen wegen der Aquaplaning-Gefahr.
Wie oft kontrolliert die Hauptuntersuchung das Reifenprofil?
Bei jedem regulären HU-Termin, unabhängig vom Prüfintervall deines Fahrzeugs. Das Profil wird dabei ebenso Pflichtpunkt wie Bremsen und Beleuchtung.
Eine letzte Sache
Bei exakt 1,6 mm Profiltiefe braucht ein Reifen laut ADAC-Bremstests bei Nässe mehrere Meter mehr Bremsweg als ein neuer Reifen mit vollem Profil – bei 100 km/h kann das über Stehenbleiben oder Auffahren entscheiden. Die 1,6 mm sind ein gesetzlicher Grenzwert, keine Sicherheitsempfehlung.




